Arbeitsmarkt-Kompass: Jobsuche wird schwerer, Leistung zählt mehr

Der Arbeitsmarkt-Kompass Q4/2025 von Marketagent und Leitbetriebe Austria zeigt: Die Jobsuche wird aus Sicht vieler Beschäftigter schwieriger, zugleich steigt die Leistungsbereitschaft. Erstmals ordnet ein Ländervergleich Österreich im europäischen Mittelfeld ein – bei weiterhin hoher Jobzufriedenheit.

Der aktuelle Arbeitsmarkt-Kompass Q4/2025, eine Längsschnittuntersuchung von Marketagent in Kooperation mit Leitbetriebe Austria, zeichnet zum Jahresende 2025 ein zweigeteiltes Bild: Während die wahrgenommene Leichtigkeit, einen neuen Job zu finden, weiter sinkt, steigt gleichzeitig die Bereitschaft, Leistung zu erbringen. Erstmals wurde zudem ein internationaler Vergleich mit sieben weiteren europäischen Ländern vorgelegt.

© Marketagent
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In Österreich empfinden im vierten Quartal 2025 nur noch 51,3 Prozent der unselbstständig Beschäftigten die Jobsuche aktuell als (sehr oder eher) leicht – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung. Parallel dazu bleiben die Gehaltserwartungen bei einem Jobwechsel laut Aussendung gedämpft, was auf eine vorsichtigere Einschätzung der Arbeitsmarktlage hindeutet.

Der erstmals durchgeführte internationale Benchmark umfasst Österreich, Deutschland, die Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Slowenien. Für Österreich weist die Studie bei der Job-Leichtigkeit 55,2 Prozent (Gesamtjahr 2025) aus. Damit liegt Österreich hinter Deutschland (60,9 Prozent) und Slowenien (56,8 Prozent), aber vor Frankreich (48,6 Prozent), Spanien (46,9 Prozent) und Italien (43,3 Prozent). Die Jobzufriedenheit bleibt gleichzeitig hoch: 82,7 Prozent der Beschäftigten in Österreich sind 2025 insgesamt zufrieden.

Marketagent-Geschäftsführer Thomas Schwabl sieht darin ein europaweit ähnliches Muster mit unterschiedlichen Ausprägungen: Österreich stehe im Vergleich solide da, gleichzeitig nehme die Verunsicherung zu.

Bei den Jobkriterien verschieben sich die Prioritäten weiter in Richtung Stabilität. Ein faires Gehalt bleibt das wichtigste Kriterium, zugleich gewinnen ein gutes Arbeitsklima, Jobsicherheit und flexible Arbeitszeiten an Bedeutung. Zusatzleistungen und idealistische Aspekte wie Selbstverwirklichung treten laut Studie stärker in den Hintergrund.

Gleichzeitig steigt die Leistungsorientierung: 62,9 Prozent der Beschäftigten identifizieren sich mittlerweile mit der Arbeitsphilosophie „Work hard, play hard“. Die Bereitschaft, mehr Einsatz zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen, sei demnach vorhanden – allerdings unter fairen und transparenten Bedingungen. Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria, spricht von einer klaren Richtung: weniger „Leichtigkeit“, mehr Fokus auf Verlässlichkeit, realistische Perspektiven und eine faire Balance zwischen Einsatz und Sicherheit.

Für 2026 erwarten die Studienautorinnen und -autoren eine gedämpfte Dynamik bei gleichzeitig klaren Signalen: Wer Talente halten und gewinnen will, müsse Verlässlichkeit bieten und Leistung fair honorieren. Beschäftigte würden ihre Karriere pragmatischer planen – mit mehr Orientierung und Einsatz, aber weniger Illusionen.