Warum Events 2026 neu gedacht werden müssen
Der KESCH Event- und Brand Experience Trendreport 2026 ist da!
Seit 2017 dokumentiert Tom Kenyeri, Gründer und CEO der KESCH Event & Promotion GmbH, gemeinsam mit seinem Team faszinierende Entwicklungen der Event-Branche in seinem Trendreport. Dieser Bericht hat sich mittlerweile als eine traditionelle und begehrte Lektüre etabliert. In der nunmehr achten Ausgabe definiert Kenyeri auch heuer wieder die Top 10 Trends der Eventbranche für 2026. Eines kann schon einmal verraten werden: Kein Stein ist am anderen geblieben. Die neue Welt der Begegnungszonen verlangt eine völlig neue Form der Event-Inszenierung. Kenyeri ist überzeugt: „the event manager is dead, long live the experience designer“.
Der Bericht ist ein Geschenk und gleichsam ein Schulungsunterlage für all jene, die für die nachhaltige Begeisterung von Event-Besuchern verantwortlich sind. Voller Einsichten und Analysen zu den heißesten Themen der Branche. Schon alleine die ersten Drei der 10 Top Trends 2026 machen neugierig: Generational Change, AI Becomes Reality, Small Is The New Luxury. Der Trend Report ist dabei nicht nur eine Zusammenstellung von Daten und Prognosen – er ist ein Werkzeug, das inspiriert und dabei hilft, Events gezielt auf den nächsten Level zu bringen.
KI wird Standard, kleine Formate werden Luxus
Thomas Kenyeri erklärt im Gespräch mit Otto Koller, warum Veranstaltungen 2026 stärker kuratiert, personalisiert und messbar werden müssen – und weshalb Kreativität wichtiger ist als Budget.
Otto Koller: Tom, du bringst 2026 einen neuen Event & Brand Experience Trend Report. Was hat sich im Vergleich zum Vorjahr am stärksten verändert?
Thomas Kenyeri: KI ist vom Hype zum Standard geworden: Wir reden nicht mehr über Tools, sondern darüber, wie KI in Prozesse integriert wird. Und: Menschen gehen respektvoller mit Zeit und Geld um. „Nice-to-have“-Events funktionieren nicht mehr – es braucht echte Qualität und Relevanz.
Otto Koller: Du sprichst von „Small is the new luxury“. Warum gewinnen kleinere Formate?
Thomas Kenyeri: Weil bei Events heute mehrere Generationen zusammenkommen – mit völlig unterschiedlichen Bedürfnissen. Personalisierung wird erwartet: von der Einladung über Inhalte bis zum Networking. In großen, einheitlichen Formaten ist das kaum sauber umzusetzen. Deshalb: Boutique-Formate, mehr Tiefe, mehr Betreuung – oder ein großes Intro und dann mehrere kleine Sessions.
Otto Koller: Welche Rolle spielt Networking im Vergleich zu Content?
Thomas Kenyeri: Beides ist zentral. Aber es verschmilzt stärker: Networking passiert nicht mehr nur davor oder danach, sondern im Programm. Workshops werden interaktiver, Crowd Learning wichtiger: Wissen ist im Raum verteilt, nicht nur auf der Bühne.
Otto Koller: Heißt das: Ein Event muss heute durchinszeniert sein?
Thomas Kenyeri: Es muss ein Erlebnis sein – sonst reicht der reine Informationstransfer nicht. Wissen bekomme ich überall digital. Ich muss das Event vorher „verkaufen“ (Story, Nutzen) und vor Ort so gestalten, dass Menschen etwas Handfestes mitnehmen: konkrete Ideen, Austausch, echte Mehrwerte.
Otto Koller: In deinem Report steht „Creativity First“. Warum ist Kreativität so entscheidend?
Thomas Kenyeri: Weil Erwartungen steigen und Budgets nicht im gleichen Ausmaß mitwachsen. Kreativität ist die Differenzierung – nicht das billigere Ticket. Es geht um eine Unique Experience Proposition: Was erlebe ich hier, das ich anderswo nicht bekomme? Oft sind es Micro-Erlebnisse, über die die Leute erzählen.
Otto Koller: Lohnt sich das auch für Unternehmen ohne große Budgets?
Thomas Kenyeri: Ja – aber ohne Kreativität ist es besser, es zu lassen. Routineformate verlieren. Menschen müssen einen Grund haben, warum sie unter der Woche nicht zur Familie, sondern zu deinem Event gehen.
Otto Koller: Was muss ein Event organisatorisch leisten, damit es wirtschaftlich sinnvoll ist?
Thomas Kenyeri: Es braucht ein Gesamtkonzept entlang der Journey: Warum kommt jemand? Was passiert vor Ort? Und wie geht es danach weiter? Viele denken nur bis zum Event – nicht bis zur Wirkung. Der Maßstab ist der Return of Experience: Welchen kognitiven, emotionalen und sozialen Nutzen nimmt jemand mit?
Otto Koller: Du hast spektakuläre Inszenierungen wie Drohnenshows erwähnt. Muss es immer größer werden?
Thomas Kenyeri: Nicht zwingend. Emotionalisierung ist Pflicht – die Form kann unterschiedlich sein: spektakulär oder über Storytelling. Wichtig ist, dass das Event etwas bietet, was digital nicht ersetzbar ist: Emotion und soziale Verbindung.
Otto Koller: Wer ist 2026 besonders gefordert – nur die Großen?
Thomas Kenyeri: Alle. Experience ist Kerndisziplin: für Mitarbeiterbindung, Recruiting, Kundenbindung. Und: Social Media lebt von Live-Erlebnissen – Events liefern den Stoff für Kommunikation.
Otto Koller: Danke, Tom. Bis zum nächsten Report.
Thomas Kenyeri: Danke dir.
Mini-Glossar – Begriffe aus diesem Interview
AI-Operator / KI-Supervisor
Rolle im Eventteam, die KI-Tools nicht „testet“, sondern in Abläufe integriert – etwa für Planung, Personalisierung, Kommunikation und Auswertung.
Boutique-Formate
Kleinere, kuratierte Eventformate mit stärkerer Betreuung, klarer Zielgruppe und höherer Relevanz statt „one size fits all“.
Crowd Learning
Lern- und Arbeitsformate, in denen Wissen aus dem Publikum aktiv eingebunden wird – statt reinem Frontalvortrag.
Customer Journey (Event-Journey)
Gesamter Weg des Gastes: Einladung/Teaser → Teilnahme/Erlebnis → Nachbereitung/Vertiefung. Ein Event wirkt erst, wenn er in dieses Konzept eingebettet ist.
Employee Experience
Erlebnis- und Arbeitsumfeld für Mitarbeitende (Bindung, Motivation, Kultur) – Events werden auch hier strategisch eingesetzt.
Emotionalisierung
Gezielte Gestaltung von Momenten, die berühren und im Gedächtnis bleiben. Wird wichtiger, weil reine Information digital überall verfügbar ist.
FOMO (Fear of Missing Out)
Sozialer Effekt, etwas zu verpassen. Kann durch exklusive, gut erzählte Formate und Kommunikation bewusst ausgelöst werden (ohne platte Effekthascherei).
Gen Z / Generationenmix
Events bringen mehrere Generationen zusammen – mit unterschiedlichen Erwartungen an Einladung, Programmdramaturgie und Networking.
KI als Standard
Kernaussage 2026: KI ist nicht mehr „Trend“, sondern Basiswerkzeug. Die Frage lautet: Welche Prozesse werden damit messbar besser?
Long-Lived Experience Designer
Neues Rollenbild des Eventmanagers: weniger „Logistik“, mehr Erlebnisarchitektur – inklusive Storytelling, Tech-Integration, Sicherheit, Daten und Dramaturgie.
Micro-Erlebnisse
Kleine, überraschende Service- oder Erlebnisdetails, die Gäste weitererzählen und die Erinnerung prägen (oft wirksamer als große Showelemente).
Networking
Der soziale Nutzen eines Events: neue Kontakte, Austausch, Zugehörigkeit. Wird zunehmend im Programm integriert statt nur davor/danach.
Personalisierung
Individuelle Ansprache und passgenaue Inhalte/Services – von Einladungen bis Networking-Logik. Erwartungshaltung steigt, besonders bei jüngeren Zielgruppen.
Return of Experience (ROE)
Mess- und Bewertungslogik: Was bekommt der Gast für seinen Einsatz (Zeit/Geld) zurück? Im Interview: kognitiver, emotionaler und sozialer Nutzen.
Story (Event-Versprechen)
Warum soll jemand kommen? Ein Event muss „vorher“ schlüssig verkauft werden – mit klarem Nutzen, Dramaturgie und einem Grund, live dabei zu sein.
Unique Experience Proposition (UXP)
Differenzierungsfaktor: das einzigartige Erlebnisversprechen eines Events – nicht Preis oder Standardprogramm, sondern „das gibt es nur hier so“.
Wissenstransfer allein reicht nicht
Schlüsselgedanke: Inhalte sind digital jederzeit verfügbar; das Live-Event muss zusätzlich Emotion und soziale Verbindung liefern.
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