Reuters Institute Trend Report 2026

Was sich im Informations- und Medienökosystem verschiebt – und warum das für KMU relevant ist

Der Trend Report 2026 des Reuters Institute for the Study of Journalism (University of Oxford) beschreibt, wie sich der Zugang zu Informationen im Netz verändert: Weg von klassischen Klickpfaden über Suchmaschinen und soziale Netzwerke – hin zu KI-gestützten Antwortformaten und stärker personengetriebenen Plattformlogiken. Die Aussagen stützen sich auf eine internationale Befragung von 280 Medien-Führungskräften aus 51 Ländern (laut Report-Zusammenfassungen in Fachmedien). 

1) Suchmaschinen-Traffic verliert an Gewicht – „Traffic Era“ unter Druck

Ein zentraler Befund: Medienhäuser rechnen damit, dass Weiterleitungen aus der Suche spürbar sinken. In einer Berichterstattung über den Report wird eine Erwartung genannt, dass Such-Traffic in den nächsten drei Jahren um 43 % zurückgehen könnte; zudem wird erwähnt, dass ein Teil der Befragten sogar von sehr starken Einbrüchen ausgeht. 

Parallel wird ein bereits erfolgter Rückgang von Google-Weiterleitungen zu News-Seiten beschrieben (in einem Bericht: minus 33 % weltweit). 

Einordnung für KMU: Viele Informationen, die bisher über „Suchen → Klick → Website“ gefunden wurden (z. B. Service-/Ratgeberthemen, Produktvergleiche, Hintergrundartikel), werden zunehmend in vorgelagerten Oberflächen verarbeitet oder zusammengefasst. Der Report-Kontext wird deshalb häufig als Übergang von der „Search Era“ zur „Answer Economy“ beschrieben. 

2) KI-Antworten werden zur eigenen „Schicht“ zwischen Nutzer und Quelle

Der Report wird in mehreren Medien als Reaktion auf den wachsenden Einfluss von KI-Zusammenfassungen und Chatbots interpretiert. Genannt wird u. a., dass KI-Overviews in den USA bereits in rund 10 % der Google-Suchergebnisse auftauchten (Zeitpunkt der zitierten Analyse: Januar 2026). 

Zugleich wird betont, dass Chatbots als Quelle von Weiterleitungen in der Praxis bislang kaum nennenswerten Traffic liefern. 

Einordnung für KMU: Damit verschiebt sich Sichtbarkeit: Nicht nur wo Inhalte veröffentlicht sind, sondern auch wie sie von Systemen wie Google oder generativen Assistenten wie OpenAI (z. B. ChatGPT) verarbeitet werden, wird zum Teil der öffentlichen Wahrnehmung. 

3) Die „Creator“-Logik prägt Nachrichten- und Informationsformate stärker

Ein weiterer Schwerpunkt: Medienhäuser sehen sich stärkerer Konkurrenz durch Creator-Ökosysteme und personengetriebene Formate ausgesetzt. In der Berichterstattung zum Report heißt es, viele Organisationen planen, Journalist:innen stärker in Richtung „Creator“-Rollen zu entwickeln; in einem Bericht wird dafür ein Wert von rund 75 % genannt. 

Gleichzeitig wird beschrieben, dass Plattformen wie YouTube und TikTok bei vielen Medien als wichtiger eingeschätzt werden, während andere Kanäle (z. B. Facebook und X) an Priorität verlieren. 

Einordnung für KMU: Information verbreitet sich stärker über Persönlichkeiten, Formate und Plattformroutinen (Video-Feeds, Abos, Serienlogik) – weniger über einzelne Links. Das beeinflusst, welche Themen sichtbar werden und wie stark einzelne Stimmen Reichweite aufbauen. 

4) Stimmungslage in der Branche: deutlich weniger Zuversicht

In einer Zusammenfassung zum Report wird ein markanter Stimmungsindikator genannt: Nur 38 % der befragten News-Manager:innen fühlten sich demnach zuversichtlich über die Zukunft des Journalismus im kommenden Jahr – deutlich weniger als noch wenige Jahre zuvor. 

Einordnung für KMU: Für Unternehmer:innen ist das vor allem als Rahmenbedingung relevant: Wenn Medienunternehmen unter Druck stehen (Reichweite, Erlösmodelle, Plattformabhängigkeit), verändert sich auch das Umfeld für öffentliche Kommunikation, Branchenberichterstattung und die Sichtbarkeit von Themen.

5) Debatte um Transparenz und Herkunft von KI-Inhalten nimmt zu

Parallel zum Trend Report wird in der öffentlichen Debatte stärker über Transparenz bei KI-generierten Inhalten diskutiert. Ein Beispiel ist der Vorschlag, KI-News mit „Nutrition Labels“ zu kennzeichnen, die Herkunft und Quellenlage sichtbar machen sollen. 

Außerdem zeigen Untersuchungen zur Praxis einzelner Systeme, dass lokale oder regionale Quellen in KI-Zusammenfassungen unterrepräsentiert sein können (Beispiel: Analyse zu Microsoft Copilot im australischen Kontext). 

Einordnung für KMU: Je nachdem, wie KI-Systeme Quellen auswählen, kann sich die Darstellung von Märkten, Branchen und regionalen Themen verschieben – selbst dann, wenn Originalinformationen vorhanden sind. 

Kurzfazit

Der Reuters-Trend-Report 2026 zeichnet ein Bild eines Informationsmarkts, in dem Antwortoberflächen (KI), Plattformlogiken und Creator-Formate stärker darüber entscheiden, was Menschen sehen – während klassische Klickströme aus Suche und Social als weniger verlässlich wahrgenommen werden. Die genannten Zahlen (u. a. −43 % erwarteter Such-Traffic, −33 % bereits gemeldeter Google-Referral-Rückgang, 38 % Zuversicht) werden in der Berichterstattung als Signale für eine strukturelle Verschiebung interpretiert. 

 

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