Studierende hinterfragen Gen-Z-Klischees zur Arbeitswelt
Wie tickt die Generation Z im Job – und was sind Projektionen anderer Generationen?
Beim FMP TALK #64 in der Cupra City Garage Wien setzten Studierende der FH St. Pölten auf Perspektivenwechsel statt Etiketten. Im Panel ging es um Werte, Führung, Flexibilität und die Grenzen wirtschaftlicher Realität.
Unter dem Titel „Catch Me If You Can: Welcome to the World of Gen Z“ widmete sich der FMP TALK #64 der Frage, welche Erwartungen junge Berufseinsteiger:innen an Arbeit und Arbeitgeber stellen – und wie viel davon tatsächlich spezifisch „Gen Z“ ist. Gastgeber:innen des Abends waren Studierende der University of Applied Sciences St. Pölten (USTP), die die Cupra City Garage Wien für das Format in einen Raum für Perspektivenwechsel verwandelten.

© Forum Media Planung / Pixellab Media
Den Auftakt gestalteten die Studentinnen Annika Strunz und Klara Fahrner mit einer Keynote, die bewusst mit Widersprüchen arbeitete. Ihre These: Die Debatte über Generation Z sei oft so widersprüchlich wie das Bild, das über sie gezeichnet werde – möglicherweise liege das Problem weniger bei der Generation selbst als in der Art, wie über sie gesprochen wird.
Im anschließenden Panel – moderiert von Emily Schreyvogel (USTP) – stand weniger das Schubladendenken im Vordergrund als konkrete Erwartungen an Arbeit: „Wir wollen heute nicht noch mehr Vorurteile schaffen, sondern unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und verstehen, was hinter den Erwartungen steckt“, sagte Schreyvogel zu Beginn.
Diskutiert haben Thomas Meyer (Geschäftsführer Büro für Interaktion & Professor FH Kufstein), Tim Baumgärtner (Co-Founder & Co-CEO marswalk), Elisabeth Ponocny-Seliger (Arbeitspsychologin & Universitätslektorin), Konrad Mayr-Pernek (Director Business Development PURPUR Media) und Andrea Tenner (Managing Partner Business Solutions Alpine, Omnicom Media).
Mehrfach wurde betont, dass die Generation Z keine homogene Gruppe ist. „Gen Z ist viel zu vielfältig, um sie zu stereotypisieren. Man muss mit Individuen sprechen“, sagte Baumgärtner. In seinem Unternehmen würden Erwartungen früh und transparent kommuniziert – junge Mitarbeitende würden rasch erkennen, ob Werte nur behauptet oder tatsächlich gelebt würden.

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Auch Ponocny-Seliger warnte vor Pauschalisierungen. Werte entstünden jeweils in der Sozialisationsphase; zudem würden sich Maßstäbe verschieben. „Die Gen Z will leisten – aber nicht um jeden Preis. Und eigentlich haben wir ihnen genau das selbst mitgegeben“, so die Arbeitspsychologin. Gesundheit werde zunehmend als gleichwertiger Faktor neben Leistung verstanden.
Tenner verwies darauf, dass viele Forderungen, die oft der Gen Z zugeschrieben werden, längst breiter in Organisationen ankommen: „Die Individualität, die Gen Z einfordert, macht die Arbeitswelt für alle besser.“ Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und Angebote zur mentalen Gesundheit würden nicht nur jungen Mitarbeitenden zugutekommen.
Mayr-Pernek ordnete die Debatte historisch ein: Vorurteile, die heute gegenüber Gen Z geäußert werden, seien zuvor bereits anderen Generationen zugeschrieben worden. Auch das lange propagierte Modell „zuerst Arbeit, dann Leben“ habe sich als Irrweg erwiesen – Work-Life-Balance sei keine Schwäche, lautete sein Befund.
Gleichzeitig thematisierte das Panel wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Meyer betonte, dass viele Wünsche nachvollziehbar seien, aber nicht in jedem Unternehmen sofort umgesetzt werden könnten. Arbeitszeitverkürzung fänden viele attraktiv – entscheidend sei jedoch die Frage der Finanzierung.
Beim Thema Führung prallten unterschiedliche Perspektiven aufeinander: Während Meyer Erfahrung und bestimmte Skills als Voraussetzung für Leadership bezeichnete, berichtete Baumgärtner von positiven Erfahrungen mit jungen Führungskräften – sofern Vertrauen, Verantwortung und Mentoring gegeben seien.
Als gemeinsamer Nenner blieb am Ende die Forderung nach mehr gegenseitigem Verständnis – nicht als harmonischer Selbstzweck, sondern als Grundlage für produktives Zusammenarbeiten. Ponocny-Seliger formulierte den Appell an Arbeitgeber pointiert: „Ihr bekommt die Mitarbeiter:innen, die ihr verdient.“
Der FMP TALK #64 wurde von Azerion und Teads unterstützt.
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