Österreich bewertet sein Bildungssystem besser als Deutschland
Österreichs Bevölkerung stellt dem heimischen Bildungssystem zwar kein Spitzenzeugnis aus, beurteilt es aber deutlich positiver als die Menschen in Deutschland. Kritik gibt es vor allem bei der Chancengleichheit, der Vorbereitung auf die berufliche Zukunft und beim Umgang mit den psychischen Belastungen junger Menschen. Das zeigt der Ipsos Bildungsmonitor 2026.
36 Prozent bewerten die Qualität des österreichischen Bildungssystems positiv, 28 Prozent negativ. Damit liegt Österreich leicht über dem internationalen Durchschnitt. In Deutschland fällt das Urteil wesentlich kritischer aus: Dort äußern sich nur 17 Prozent positiv, während 52 Prozent dem Bildungssystem eine negative Bewertung geben.
Zweifel an Chancengleichheit und Zukunftsfähigkeit
Besonderen Handlungsbedarf sieht die Bevölkerung bei der sozialen Gerechtigkeit. Nur 36 Prozent sind überzeugt, dass das Bildungssystem dazu beiträgt, soziale Unterschiede zu verringern. 55 Prozent widersprechen dieser Aussage. International liegt die Zustimmung mit 49 Prozent deutlich höher.
Auch die Vorbereitung auf das Berufsleben wird kritisch gesehen. Lediglich ein Drittel hält den Lehrplan für ausreichend zukunftsorientiert. Dabei unterscheiden sich die Prioritäten der Generationen: Für 70 Prozent der Babyboomer zählt die Integration von Kindern mit nicht deutscher Erstsprache zu den größten Herausforderungen. In der Generation Z nennen hingegen 49 Prozent einen veralteten Lehrplan. Auch der Umgang mit generativer Künstlicher Intelligenz beschäftigt jüngere Menschen stärker.
Große Sorge um die psychische Gesundheit
58 Prozent beurteilen die psychische Gesundheit der jungen Generation als schlecht, nur neun Prozent als gut. Damit ist die Einschätzung in Österreich pessimistischer als im internationalen Durchschnitt.
Kritisch wird auch die digitale Lebenswelt bewertet. Zwar halten zwei Drittel Österreich grundsätzlich für einen sicheren Ort für junge Menschen, Online-Räume werden jedoch nur von 25 Prozent als sicher eingeschätzt.
Entsprechend groß ist die Zustimmung zu Einschränkungen: 62 Prozent befürworten ein Smartphone-Verbot an Schulen, 72 Prozent sprechen sich gegen einen Zugang zu sozialen Medien für Kinder unter 14 Jahren aus. Ein generelles Verbot von KI-Anwendungen wie ChatGPT an Schulen lehnt hingegen beinahe die Hälfte ab. Nur 34 Prozent wären dafür. Vor allem die Generation Z unterscheidet klar zwischen sozialen Medien und Künstlicher Intelligenz.
Direkter Berufseinstieg gewinnt an Bedeutung
Obwohl 69 Prozent einen Hochschulabschluss als hilfreich für das berufliche Weiterkommen betrachten, würden nur 24 Prozent jungen Erwachsenen vorrangig zu einem Studium raten. 36 Prozent empfehlen einen direkten Einstieg ins Berufsleben. International ist das Verhältnis umgekehrt: In den 31 untersuchten Ländern rät im Durchschnitt knapp die Hälfte zuerst zu einem Studium.
Für den österreichischen Teil des Ipsos Bildungsmonitors wurden im Juli 2026 insgesamt 1.012 Menschen zwischen 18 und 79 Jahren online befragt. Die internationalen Ergebnisse beruhen auf 23.537 Befragten in 31 Ländern.
