Was Plattformen gegen Desinformation unternehmen
Google, Meta und TikTok haben neue Berichte über ihren Umgang mit Desinformation in Europa vorgelegt. Sie dokumentieren Maßnahmen für das erste Halbjahr 2026. Nach einem vollständigen Berichtsjahr will nun auch die EU-Kommission genauer prüfen, wie die großen Plattformen ihre Verpflichtungen umsetzen.

Die Berichte sind im Transparenzzentrum des europäischen Verhaltenskodex gegen Desinformation abrufbar. Sie behandeln unter anderem politische Inhalte, Werbung, die Kennzeichnung KI-generierter Inhalte sowie die Zusammenarbeit mit Forschung und Faktenprüfung. Die Unternehmen setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte und erfassen ihre Maßnahmen nicht durchgehend auf dieselbe Weise.
Meta nennt eine konkrete Zahl aus dem Werbebereich: Von Jänner bis Juni 2026 seien 5.455.002 Anzeigen auf Facebook und Instagram entfernt worden. Bei 67.225 davon nennt das Unternehmen Verstöße gegen seine Regeln zu Falschinformation oder unauthentischem Verhalten. Zudem beschreibt Meta, wie es Anzeigen kennzeichnet, die mit generativer KI erstellt oder wesentlich verändert wurden.
Google stellt unter anderem Werkzeuge zur Kennzeichnung und Prüfung der Herkunft digitaler Inhalte vor. Sein Bericht behandelt Google Suche, YouTube und Google-Werbung. Auch TikTok hat Maßnahmen für das erste Halbjahr dokumentiert.
Was die Zahlen zeigen – und was offenbleibt
Eine hohe Zahl entfernter Anzeigen zeigt zunächst, dass eine Plattform Maßnahmen gesetzt hat. Sie sagt für sich genommen nicht, wie viel problematisches Material unerkannt blieb, wie lange es sichtbar war oder wie viele Menschen es erreichte. Ein direkter Vergleich der Löschzahlen verschiedener Plattformen wäre ohne gleiche Definitionen und Bezugsgrößen ebenfalls irreführend.
Ein Detail aus dem Meta-Bericht ist für Europa besonders interessant: Das Unternehmen hält fest, dass seine „Community Notes“ im Berichtszeitraum noch nicht im Europäischen Wirtschaftsraum eingeführt waren. Dieser Befund bezieht sich ausdrücklich auf das erste Halbjahr 2026.
Die EU-Kommission kündigt Gespräche an
Die Berichte haben inzwischen mehr Gewicht als eine freiwillige Bestandsaufnahme. Seit Juli 2025 ist der Verhaltenskodex gegen Desinformation in den Rahmen des Digital Services Act aufgenommen. Die Einhaltung der übernommenen Verpflichtungen unterliegt einer unabhängigen jährlichen Prüfung.
Nachdem nun Berichte für ein vollständiges Jahr vorliegen, will die EU-Kommission mit den beteiligten großen Plattformen und Suchmaschinen Gespräche über deren Verpflichtungen und Umsetzung führen. Einen Termin dafür hat sie noch nicht genannt.
Für Medien und Werbetreibende liefern die Berichte eine Grundlage, um konkreter nachzufragen: Wie vermeiden Plattformen Anzeigen neben problematischen Inhalten? Welche Informationen erhalten Werbekunden über ihre Platzierungen? Und was lässt sich über die Wirkung der Schutzmaßnahmen unabhängig überprüfen? Die Antworten darauf sind für die Beurteilung eines Werbeumfelds aussagekräftiger als eine einzelne Löschzahl.
Quellen und weiterführende Informationen: EU-Kommission: Veröffentlichung der Plattformberichte vom 24. September 2026; Meta: Bericht für das erste Halbjahr 2026; Google: Bericht für das erste Halbjahr 2026; TikTok: Bericht für das erste Halbjahr 2026. Die im Beitrag und in der Grafik genannten Löschzahlen stammen aus dem Bericht von Meta.
