MarketingRedaktion

Wenn der Plan nicht aufgeht

Was Marketingteams aus Fehlern lernen können

Eine Kampagne floppt, eine Entscheidung erweist sich als falsch oder viel Aufmerksamkeit führt nicht zu zahlenden Kunden. Beim letzten Signature Event der Marketing Natives im Jahr 2026 standen genau solche Erfahrungen im Mittelpunkt – und die Frage, was Unternehmen daraus machen.

© Tina Janausek
v.l.n.r. Die Speaker:innen des Abends: Dejan Stojanovic (Unternehmer, Failure Enthusiast und Gründer der Fuckup Nights Vienna), Reingard Meiche (Marketingexpertin und selbstständige Organisationsberaterin für Teamentwicklung und Change Management) und Leo Tulipan (Berater für digitale Prozesse und Automatisierung sowie ehemaliger Food-Startup-Gründer).
© Tina Janausek

Rund 60 Gäste kamen am 29. Oktober zum Event „FAIL BETTER – Fehlerkultur, Fuck-ups und Comebacks“ in den Trompetensaal der Österreichischen Post in Wien. Drei Vortragende berichteten von beruflichen Rückschlägen. Moderiert wurde der Abend von Simone Brodesser. Die Marketing Natives wollten damit Erfahrungen eine Bühne geben, die in Erfolgsberichten häufig keinen Platz finden. 

Anfangen, bevor alles perfekt ist

Dejan Stojanovic, Unternehmer und Gründer der Fuckup Nights Vienna, sprach über Perfektionismus. Wer erst handelt, wenn jeder Schritt abgesichert scheint, verschiebt womöglich auch Ideen, die sich nur in der Praxis prüfen lassen. Seine Botschaft an Marketingverantwortliche: Ein Versuch, der nicht wie erwartet verläuft, kann zeigen, welche Annahmen falsch waren und was beim nächsten Anlauf geändert werden sollte.

Das ist gerade bei neuen Formaten oder Angeboten relevant. Ein begrenzter Test liefert Rückmeldungen aus dem Markt, bevor ein Unternehmen viel Zeit und Budget in eine umfassende Umsetzung investiert. Entscheidend ist, die Ergebnisse anschließend offen auszuwerten.

Hilfe holen und Annahmen hinterfragen

Reingard Meiche, Marketingexpertin und Organisationsberaterin, schilderte einen beruflichen Fehler, der sie ihre Selbstständigkeit kostete. Rückblickend habe sie dabei gelernt, eigene Überzeugungen zu hinterfragen und schwierige Entscheidungen nicht allein tragen zu müssen.

Ihre Erfahrung lenkt den Blick auf die Zusammenarbeit im Team: Werden Zweifel früh genug angesprochen? Können Kollegen eine Entscheidung hinterfragen, bevor aus einem kleinen Problem ein großes wird? Eine konstruktive Fehlerkultur beginnt dort, wo Rückmeldungen möglich sind und nach einem Rückschlag auch die Ursachen untersucht werden.

Reichweite ist noch keine Nachfrage

Besonders unmittelbar für Marketing und Unternehmensführung war die Geschichte von Leo Tulipan. Der Berater für digitale Prozesse und frühere Food-Startup-Gründer berichtete von großer öffentlicher Aufmerksamkeit für sein Unternehmen. Aus dem Interesse entstand jedoch kein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell. In der Presseinformation bringt er den Unterschied auf den Punkt: „Hype ist noch kein Geschäftsmodell.“

Für Unternehmen ist das eine nützliche Erinnerung bei der Bewertung von Kampagnen. Viele Aufrufe, Erwähnungen oder Gespräche können ein guter Anfang sein. Ob ein Angebot tatsächlich trägt, zeigt sich aber erst daran, ob die angesprochenen Menschen es brauchen, kaufen und erneut nachfragen. Aufmerksamkeit und Geschäftserfolg sollten deshalb getrennt gemessen werden.

Der Abend zeigte drei unterschiedliche Wege im Umgang mit Rückschlägen: ins Tun kommen, Entscheidungen gemeinsam prüfen und sichtbaren Erfolg an tatsächlicher Nachfrage messen. Fehler müssen dafür weder gefeiert noch verschwiegen werden. Wertvoll werden sie, wenn aus ihnen eine konkrete Änderung folgt.