DruWirkung: Harte Währung in der Kommunikation
Beitrag von Jürgen Zietlow, Fachjournalist und Analyst für nachhaltige Kommunikation
Es scheint, da würde sich mittels KI ein Perpetuum mobile für die Marketingkommunikation entfalten. Designs und Prozesse, die gestern noch Stunden oder Tage dauerten, sind jetzt in Minuten fertig. Perfekt? Marketingverantwortliche sind verunsichert und suchen Orientierung. Zwei Fragen sind omnipräsent: Erstens: Wird die gigantische synthetisierte Menge an Content zu einer Hyperinflation der Schöpfungshöhe und wie endlich ist der digitale Raum? Zweitens: Ändern sich die Spielregeln bei der nachhaltigen Medienproduktion, angesichts politischer Wandel?
Wir erinnern uns an den dramatischen Tsunami an der Westküste Thailands am 26. Dezember 2004: Etwa in Phuket oder Khao Lak standen damals viele Menschen wie hypnotisiert am Strand – viele riefen: „Schaut! Dort kommt ein Tsunami!“ Einige rannten der Welle sogar entgegen. Boote hoben und senkten sich am Horizont. Erst langsam wandelte sich die Faszination in vorsichtige Skepsis. Und schließlich in Angst und Panik. Für viele kam die Realisierung der Gefahren zu spät. Auch für die, die ihrem Gefühl vertrauten.
Unternehmer:innen vieler Branchen fragen sich derzeit nicht, ob die KI ein Tsunami ist, sondern wie sich diese KI-Disruption auf die Form der Kommunikation auswirkt. In der grafischen Industrie und dem Metabereich „Kommunikation“ befinden wir uns derzeit noch in einer Phase von Begeisterung und Staunen, allerdings im Übergang zur Skepsis.
Entwickelt sich diese KI-Welle zum Gamechanger oder zur Zerreißprobe für oft ohnehin schon angespannte Marketing-Etats? Ich bin sicher: Weder noch! Wer allerdings fasziniert innehält, ohne die Gefahren und Chancen dieses Strukturwandels konkret einzuschätzen, riskiert einiges.
„Was meinst du eigentlich genau?“
CMOs oder CEOs, Marketer, Kreative oder Agenturen müssen gegenüber Kunden oder Budgetentscheider:innen eine klare Sprache finden, um den Status quo, insbesondere Lösungen, verständlich zu formulieren. Präzise Formulierungen sind die Voraussetzung, um die große Bandbreite verfügbarer Mediengattungen richtig miteinander abzuwägen.
Wenn ein Navigationsgerät sagt: „Biegen Sie irgendwann später links ab“, informiert es zwar korrekt, aber nicht zielführend.
Von fest bis flüchtig: Medien in ihren Zustandsformen
Die alles überspannende Erkenntnis ist: „Man kann nicht nicht kommunizieren“ (Paul Watzlawick, Kommunikationswissenschaftler). Doch wie eine Botschaft beim Empfänger ankommt, entscheidet maßgeblich ihr „Aggregatzustand“ der Gattung. Die Unterscheidung der Mediengattungen nicht zuerst nach ihrem Inhalt, sondern nach ihrer physischen Beschaffenheit in
- analog (fest/greifbar) und
- digital (flüchtig/impulsgesteuert),
ist mehr als nur Technik – diese UmDEX-Definition ist eine Interpretation der medialen Seinsweise, die die Werbewirkung fundamental beeinflusst. Aus diesen zwei Basiszuständen lassen sich alle wesentlichen Kanäle und Funktionen gut ableiten und einsortieren.
Haptische Gattung:
- Transaktionskommunikation (Commercial Print, Marketing-Kommunikation) B.: Beilagen, Broschüren, Flyer, Folder, Plakate, Display/Promotion, Verkaufskataloge, Verpackungen etc.
- Funktionale Kommunikation, B.: Sortimentskataloge, Gebrauchsanleitungen, Beipackzettel, Briefbögen, Visitenkarten, Gutscheine, Eintrittskarten, Tageszeitungen etc.
- Gehobene Informations-Kommunikation, z. B.: Bücher, Fachmagazine, Geschäftsberichte, Studien, Bildbände, exklusiver Verpackungsdruck (veredelt) etc.
Digitale Gattung:
- Interaktions-/Distributionskanäle, B.: klassische Social Networks, contentbasierende Sharing-Plattformen (Musik, Bilder, Podcasts, Kunst etc.), Search-Marketing, TV, Radio, Kino etc.
- Künstliche Intelligenz, B.:
- Generativ: Text-, Bild-, Video-, Audio-Synthese. etc.
- Analytisch: Predictive Analytics, Marktforschung, Daten-Mustererkennung etc.
- Operativ: Chat- und Voice-Bots (Kundenservice), Personalisierungen, Empfehlungs-Engines, Hyperpersonalisierung etc.
- Digitale Infrastruktur, B.: ERP-/Shopsysteme, Websites, Marketingsteuerung und -analyse, Kreativ-, Kollaborations- und Kommunikationssoftware, Apps, etc.
In Fachkreisen der Mediendidaktik und -psychologie wird hier von „haptischer Rezeptionsqualität“ gesprochen. Der Aggregatzustand (analog, digital) ist der Trenner für die Art der Wahrnehmung, die Wirkungsweise beim Empfänger. Diese Methode entflechtet das vorherrschende Tohuwabohu, mit Phrasen wie
„Print versus Digital?“,
die Entscheider:innen ins Nirwana führen. Beide Gattungen schließen sich nicht aus – im Gegenteil! Allerdings wird grundsätzlich nur selten ausreichend zwischen
- Schnittmengen (Synergien) und
- Überschneidungen (Wettbewerb) differenziert.
Egal in welcher Form wir kommunizieren – es ist immer Aufmerksamkeitsökonomie. Kurz: Wenn es nicht wirkt, war es nicht wirklich gut. Bei der Mediennutzung sind diverse Synergien so bedeutsam wie der Wettbewerb, ausgenommen jeweilige Domänen:
Denken wir an Bildbände, Point-of-Sale-Materialien, Werbeartikel, oft auch an Printmagazine oder Bücher (als alternative Geschäftsmodelle), Verpackungen usw. Oder bei Kanälen der digitalen Gattungen an Social Media, funktionale Software, Shops, Apps etc.
Phrasen mit „versus“ assoziieren, dass Print diametral zur Digitalisierung im Marketing steht oder sogar altmodisch ist. Ein Missverständnis! Print ist keine Silo-Gattung, sondern flexibel, interaktiv, multisensorisch und professionell nachhaltig, vgl. UmDEX. Moderne Druckereien, wie die nachfolgend beschriebene Druckerei der UmDEX-Klasse, die Janetschek GmbH aus dem österreichischen Heidenreichstein, produzieren kraft volldigitalisierten Arbeitsabläufe (z. B. Print MIS, Management Information System) auf Basis digitaler Druckdaten, in digitalisierten, effizient gesteuerten Produktionsumgebungen. Deren Kunden wissen, dass anstelle einer rein digitalen Werbung Multi-Channel-Ansätze, die die einzigartigen Vorteile von Papier mit dem Komfort und der Praktikabilität digitaler Medien verbinden, in vielen Szenarien die besten Ergebnisse liefern.
(A) Wenn es nicht wirkt, ist es nicht wirklich gut
Die Wertschöpfung guter Kommunikation basiert auf ihrem Wirkungsgrad – das gilt sowohl für synthetisch perfekt designte KI-Outputs als auch für analoge, multisensorische Druckerzeugnisse. Die Wirkung ist hier der Mehrwert, vergleichbar mit dem Nährwert bei Lebensmitteln (= Werbewert, Outcome). Blaubeeren in der Größe von Pflaumen wirken nach viel, sehen perfekt und lecker aus, liefern jedoch weniger Nährwerte.
Sender von Kommunikation wollen (und müssen!)
wirken – das ist die Bedingung von Kommunikation.
Studien wie das OWM-Trendbarometer 2026 zeigen, dass 92 Prozent der Werbetreibenden die Nachvollziehbarkeit der Werbewirkung im digitalen Space als größte Herausforderung nennen – zugleich aber die Wirkung als wichtigstes Attribut bei der Budgetplanung bewerten. Die Skepsis im Umfeld digitaler Kommunikation ist plausibel, angesichts der Endlichkeit digitaler Räume – nicht nur bei Search, Social Media, Apps usw.
KI-Content en masse: das perfekte Mittelmaß in der Kommunikation?
Die Möglichkeiten der KI faszinieren, ebenso wie die Naturgewalt eines Tsunamis: Avatar-Influencer:innen, die von echten Menschen nicht zu unterscheiden sind. In Minutenschnelle erzeugte, real klingende KI-Unterhaltungen (Podcasts). Top designte Charts und Grafiken, Bilder, Comics, Videos, Audios und Grafiken – alles perfekt. Zunehmend komplexere Kreativität kann einfach via Prompt erschaffen werden – auch per Spracheingabe, die genauso klingen kann, als würden wir mit unserer Agentur über einen Kreativauftrag sprechen. Mit zumeist nur wenigen Präzisions-Prompts sind zunehmend selbst vielschichtigere Aufgaben atemberaubend schnell erledigt.
Wir „fahren“ da auf einer sehr breiten,
hochmodernen, digitalen Medien-Autobahn.
Theoretisch kommen wir nun viel schneller zum Ziel als vor der Digitalisierung – und nochmals sehr viel schneller seit KI. Theoretisch ein Zugewinn an Effizienz und Qualität im Marketing. Die Möglichkeiten bei KI-generierten Inhalten und der synthetischen Kommunikation fühlen sich wie ein Geschenk an. Beinahe wie ein Perpetuum mobile. Genau darin liegt die Gefahr, denn die wichtigste Ressource im Marketing ist nicht (mehr) die Produktionskapazität – und aufgrund der massenweisen Konformität nicht einmal mehr die Perfektion, da KI die Hürden von Kreativität und Kreation (Schöpfungshöhe) fast auf Null senkt.
Was wirklich zählt, ist die menschliche Aufmerksamkeit.
Schon vor der synthetischen Content-Welle galt: Wenn Hunderte Agenturen zur selben Zeit für dieselben Kunden ähnlichen Content etwa in Suchmaschinen oder auf Social Media ausspielen, kommt es zum Superstau (Gridlock). Selbst die Theorie von Effizienz wird in der Kommunikationspraxis zum unkalkulierbaren Risiko der Unwirtschaftlichkeit, mangels Individualität (Kommoditisierung). Die Formel:
Wirkung ≈ Qualität und Relevanz
Gesamtmenge des Contents (Rauschen)
Nur, wenn Qualität und Relevanz im gleichen Maße ansteigen würden, wie die Gesamtmenge synthetischer Inhalte, könnte sich die KI-Nutzung für die klassische Transaktions- oder Marketingkommunikation bezahlt machen. Demgegenüber existiert
- eine Endlichkeit digitaler Räume und
- eine Begrenzung durch die Biologie des Menschen.
Mit zehn bis zwölf Stunden Onlinezeit, sind nicht wenige schon am digitalen Konsumlimit, neben dem Schlaf, der Arbeit, der Freizeit usw.
Analoge Medien vollständig durch digitale Angebote zu ersetzen, sind also klare Grenzen gesetzt. Im Google Play Store sind zum Beispiel derzeit (leicht schwankend) zwei Millionen Apps zu finden – allein in der Kategorie „Shopping“ etwa fünf bis sieben Prozent. Weltweit also weit mehr als 100.000 Apps. Selbst auf Deutschland skaliert, ergeben sich nur in dieser Kategorie Hunderte Apps, die auch regional gegeneinander antreten. Dabei hat jeder Deutsche (Bitkom-Studie 2025) im Schnitt 42 Apps auf seinem Smartphone (2023: 31 Apps). Regelmäßig werden nur acht bis zehn Apps genutzt. 72 Prozent haben zwar mindestens eine Lebensmittel-App installiert (EuroShop 2025) und im Schnitt vier Handels-Apps – von denen jedoch im Mittel nur eine intensiv genutzt wird.

Demnach sind 90 Prozent neu installierter Handels-Apps schon nach zehn Tagen ungenutzt oder werden deinstalliert.
Die in Studien nachgewiesene Fluktuation
(Bindungsrate: Retention Rate) ist dramatisch.
App-Müdigkeit und Effizienz-Paradoxon (Tipping Point)
Studien zeigen, dass der Anteil von KI-generierten Inhalten im Internet im Jahr 2025 erstmals die 50-Prozent-Marke überschreiten wird.
Das Ergebnis ist eine Hyperinflation
bei der Aufnahme von digitalen Botschaften.
Während die Erstellung von Inhalten durch KI heute zwar ca. 90 Prozent schneller geht als noch 2022, ist die durchschnittliche Verweildauer (Attention Span) pro Content-Piece auf Plattformen wie LinkedIn oder News-Portalen im gleichen Zeitraum aktuellen Studien zufolge um 30 bis 40 Prozent gesunken, Tendenz: weiter fallend.
Das Ziel jeder guten Kommunikation: Lern-, Merk- und Fokussierungsfähigkeit
Es existieren auch eine Reihe aktueller, weltweit von Regierungen beauftragter Studien, die die Wirkung digitalen Lernens mit Fokus auf Schulen einschätzen. Eine der umfangreichsten deutschen Zusammenfassungen (Diskussionspapier Nr. 40, 2025) kommt von der Leopoldina, Nationale Akademie der Wissenschaften – eine Metastudie, in der Wissenschaftler:innen mehr als 100 hochkarätige Quellen zusammenfassend bewerten. Der Tenor all dieser (zeitlosen) Studien über die Physiologie des Menschen (z. B. Forbes) ist:
- Schüler:innen, die mittels analoger Medien unterrichtet wurden (Deep Reading), zeigten eine deutlich bessere Lern- und Merkfähigkeit. Print erzeugt tiefere Gedächtnisspuren.
- Haptische Botschaften auf Papier (gedruckt oder selbst beschrieben) führten zu einer deutlich besseren Fokussierungs- bzw. Konzentrationsfähigkeit.
Das ist es, was Markenkommunikation will.
Der Vollständigkeit halber: Der Konsum digitaler Medien erzeugt immer häufiger Stress, bei Kindern wie bei Erwachsenen. Digitale Medien steigern Depressionen. Studien der Universität Kopenhagen (2024/2025) zeigen, dass ca. 2,3 bis 5 Prozent der Jugendlichen in Dänemark klinische Anzeichen einer Social-Media-Sucht zeigen, durch Funktionen wie „Infinite Scroll“ (nachladende Inhalte) oder „Persuasive Design“ (manipulatives Design).
Bleiben wir bei der Wirkung: Das Gehirn verarbeitet physische Reize tiefer. Studien (z. B. von neuromarketing labs, Touchmorge, haptische Markenkommunikation) zeigen, dass die Markenerinnerung (Gedächtnisspuren) bei Printprodukten deutlich ausgeprägter ist als über digitale Kanäle.
Die harte Währung der Kommunikation: Wirkung ist Wertschöpfung
Print ist kein grundsätzlicher Ersatz für diverse digitale Funktionen wie Shops, teilweise Apps usw., aber eine gute „Versicherung gegen digitale Ineffizienz“. Wenn die Kosten pro Lead durch die Decke gehen, sind gezielte Printkampagnen wie haptische Mailings eine wirtschaftliche Alternative und oft auch alternativlos.
- Print als Anker: Ein physischer Katalog oder ein Gutschein per Post hat eine deutlich höhere Conversion-Rate als die zehnte „Reminder-E-Mail“, die im Spam landet (vgl. Prospektmonitor, IFH, Institut für Handelsforschung, Response Rate Report, Association of National Advertisers etc.).
- Glaubwürdigkeit: Print bietet oft ein kontrolliertes, redaktionelles Umfeld. Eine Anzeige in renommierten Medien profitiert vom Halo-Effekt: Das Vertrauen in das Medium überträgt sich auf den Werbetreibenden – schon die haptische Gattung (Papier) an sich verstärkt in diesem Sinne das Vertrauen und die Bindung.
(B) Die Agentur-Perspektive
Nie fand sich so viel „lautes Denken“ von Kreativen, Budgetentscheider:innen und Agenturleiter:innen in den sozialen Medien. Immer deutlicher klingt statt der KI-Faszination auch Skepsis durch – wohl zu Recht: McKinsey (Nov. 2025), Simon-Kucher (European Growth Study 2026), PwC (AI Jobs Barometer 2026), World Economic Forum (Future of Jobs Report 2025) und weitere Studien betonen ein aufkommendes, regelrechtes Drama für bestimmte digitalfokussierte Marketingdienstleister. KI steigerte die „kreative Produktivität“ seit 2022 bis Mitte 2025 um bis zu 40 Prozent. Aktuelle Zahlen liegen bisher nicht vor. Digitalfokussierte Dienstleister erleben eine Erosion ihrer Margen von bis zu 20 Prozent pro Jahr. Bis 2030 könnten demnach im Mittel 20 bis 40 Prozent der Belegschaften ihren Job verlieren (Gartner und Forrester) – Analysten prognostizieren bis dahin eine Marktbereinigung von rund 40 Prozent, besonders bei kleineren Agenturen mit weniger als 15 bis 25 Mitarbeitern.
Wird das physische, analoge Medium in diesem disruptiven Umfeld zu einem Abgrenzungsmerkmal (Qualitätssignal)? Fragen, die Agenturen auch in öffentlichen Dialogen, z. B. auf Instagram oder LinkedIn, mittlerweile sehr offen diskutieren. Zum Beispiel:
- Können wir die Werbewirkung für unsere Kunden durch analoge Medien optimieren?
- Sind Papier und Print nachhaltig state of the art?
- Ist analoges Marketing aus unserer Sicht KI-resistent?
Bitter: Etwa jede dritte dieser
Agenturen ist 2030 nicht mehr da.
1. Wirkung
Neben dem hier Erwähnten ließe sich über die Wirkung noch sehr viel mehr sagen. U. a. hat Olaf Hartmann, Inhaber vom Multisense Institut, Vorstand der Gesellschaft zur Erforschung des Markenwesens und Buchautor von „TOUCH – der Haptik-Effekt“ (Haufe), rund 200 Quellen über die Wirkung und Psychologie der Multisensorik, als absolute Alleinstellung analoger Medien, wissenschaftlich ausgewertet.
Wenn Agenturen im „digitalen“ Spiel bleiben möchten, müssen sie insbesondere messbare Wirkung nachweisen. Viele fragen sich deshalb:
In welchem Umfang sollten wir Kunden analoge Medien als Alternative zur erodierenden Wirkung im digitalen Marketing empfehlen?
2. Analoge, KI-resistente Dienstleistungen
Brand-Owner integrieren immer mehr bisherige Agenturdienstleistungen (Social Media, Grafik-Produktion, Text) „inhouse“, da KI-Tools klassische Agenturleistungen zunehmend perfekt erledigen. Dabei ist selbst Komplexität zunehmend kein Hemmnis mehr. Agenturen macht das zu schaffen. Auch, dass der messbare Impact im freien Fall ist.
Sind offline oder offline/online-hybride
Dienstleistungen KI-resistent?
Ist die Wirkungssphäre kreativer Dienstleister bei ge- oder bedruckten physischen Medien größer? Ja, sogar in vielen Bereichen: KI fehlt jedes Gefühl für Materialität. Das gilt besonders beim Zusammenspiel von Formen, Funktionen und Materialien, nicht selten in Verbindung mit gesetzlichen Anforderungen, z. B. Lebensmittelbarrieren oder dem Schutz zerbrechlicher Produkte, wiederum in Verbindung mit besonderen Veredelungseffekten – alles in häufig komplexen Kontexten zur gewollten Botschaft des Absenders.
Ki fehlt das Verständnis dafür, wie sich Licht auf einer matten vs. glänzenden Oberfläche bricht. Das ist eine zutiefst menschliche Beobachtungsgabe bzw. Qualifikation und benötigt Expertise.
Eine KI weiß nicht, ob eine Heißfolienprägung auf einem bestimmten ungestrichenen Papier technisch hält oder das Material reißt. Und auch nicht, wie sich ein hochwertiger Karton anfühlt. Die Wahl des richtigen Materials ist heute eine ethische Entscheidung (Circular Design). Agenturen können beim Angebot von haptischen Medien als Berater für ökologische Fußabdrücke punkten, etwa mit einem Gefühl dafür, welches Rezyklat sich wertig und zur Botschaft passend anfühlt oder welcher Druckdienstleister die besten Voraussetzungen für optimal nachhaltige Medien bietet.
Kreative treten hier als Gatekeeper auf. Sie helfen ihren Kunden, aus dem KI-Rauschen herauszustechen, indem sie das Wichtigste in eine bleibende Form gießen und haptische Ankerpunkte setzen. KI macht die schnelle Kommunikation, Print macht die Marke und schafft Identität. In vielen Szenarien würden aus Datenumsetzern, Kuratoren von Werten.
Ein Budget-Shifting hin zu Print ist kein Rückschritt, sondern eine strategische Positionierung, um der digitalen Beliebigkeit zu entkommen.
3. Mythos der Nachhaltigkeit digitaler Marketingkommunikation
Unter Berücksichtigung der Bauteile digitaler Geräte, des absurden Energieverbrauchs von KI, kaum ausgereifter Recyclingkreisläufe, der Abbaubedingungen für seltene Erden usw., kann digitales Marketing faktisch nicht generell als nachhaltige Gattung bezeichnet werden. Der „Electricity 2024“-Report der IEA schätzt, dass sich der Stromverbrauch von Rechenzentren weltweit von 460 TWh (2022) auf über 1.000 TWh im Jahr 2026 verdoppeln wird – das entspricht in etwa dem gesamten Stromverbrauch Japans und wächst weiter exponentiell an. Auch ethische Bedenken wiegen schwer. In Kenia, Uganda, Indien oder auf den Philippinen arbeiten sogenannte Ghostworker für wenige Dollar, etwa, um KI zu trainieren (digitale Ausbeutung).
Andererseits: Ohne eine professionell nachhaltig zertifizierte Medienproduktion wäre auch bei der besonderen Wirkung von physischen Medien alles nichts.
Für den professionellen Einsatz in der Marketingkommunikation ist Print heute weit mehr als das Aufbringen von Farbe auf Substrate. Kunden, die sich für Print entscheiden, wissen um das optimale Verhältnis zwischen dem Preis, wichtigen Kriterien des Umweltschutzes und der besonderen Wirkung haptischer Medien. Immer häufiger wird ein Wechsel von rein digitalisierter Kommunikation zum hybriden Marketing umgesetzt, um die Stärken beider Gattungen optimal zu nutzen.
(C) Real-Life-Check: Die Janetschek GmbH
Schauen wir uns die Option Print am Beispiel des Düsseldorfer Druck- und Mediendienstleisters Janetschek GmbH, genauer an. Das Unternehmen wurde Ende der 70er-Jahre gegründet und hat alle Stufen der jüngsten, technischen Entwicklung bei der Medienproduktion bewältigt. Das Unternehmen ist in allen Bereichen optimal digitalisiert und produziert auf den neusten, digitalgesteuerten Druckmaschinen. Smarte Messpunkte stellen die volle Kontrolle über Energie- und Materialverbräuche sicher. Die Umwelterklärung bietet ein jährliches Summary sämtlicher umweltrelevanter Daten, erweitert um Zielsetzungen und Prognosen.
Das Düsseldorfer Medienunternehmen dienstleistet seit Jahrzehnten mit den Schwerpunkten Qualität und Exklusivität, verbunden mit hochwertig nachhaltig zertifizierten Unternehmens- und Produktionsprozessen: In dieser Konsequenz wie kaum ein anderes in der DACH-Region. Die Dienstleistung orientiert sich also an den zwei wesentlichen Makern:
– Wirkung (Brillanz) und
– Nachhaltigkeit.
Im Kontext dieses Fachbeitrags wird deutlich, dass Unternehmen der UmDEX-Klasse wie die Druckerei Janetschek in Österreich zwar Begriffe wie „Bildband“, „Geschäftsbericht“, „Buch“ oder „Katalog“ verwenden – grundsätzlich aber das Produkt „Wirkung“ dienstleisten.
Wie erwähnt, ordern Unternehmen, denen ihre Botschaften wichtig sind, Print nicht trotz der Digitalisierung der Kommunikation, sondern immer öfter gerade wegen der zunehmenden Beliebigkeit synthetischer Botschaften. Der Geschäftsführer Werner Drechsler hat als einer der ersten in der Druckbranche erkannt, dass das Interesse an der Wirkungskraft haptischer Medien untrennbar mit professionellen Optionen der Nachhaltigkeit verbunden ist.
Dass sich Print nachhaltig nur „gut schlägt“, ist häufig zu kurz gegriffen, besonders in optimiert nachhaltigen Produktionsumgebungen wie bei der Janetschek GmbH. In konkreten Einzelfall-Szenarien liefern haptische Medien im Vergleich zu digitalen Pendants sogar deutlich bessere Ergebnisse, etwa mit Blick auf die CO₂-Bilanz (vgl. LCM-Studie, Öko Institut). Bei Janetschek z. B. ist die herausragende nachhaltige Performance das Ergebnis vieler Einzelmaßnahmen bei den Unternehmens- und den möglichen Produktzertifizierungen. Neben den Kriterien der Brancheninitiative UmDEX, wird die Nachhaltigkeit auch von weiteren Institutionen oder im Rahmen von Branchenwettbewerben seit Jahren immer wieder bestätigt.
Warum Print? Weil es wirkt. Warum nachhaltig? Weil es schützt.
Die nachhaltige Medienproduktion ist keine Belehrung und keine Ideologie, sondern Teil einer modernen Beschaffungs-Ökonomie (Sustainable Procurement), entlang ökologischer, sozialer und ethischer Kriterien. Viele professionelle Printbuyer:innen sind rechtlich gebunden oder fühlen sich verantwortlich für ihre Lieferketten (Supply Chain Responsibility) als Teil einer Wertschöpfungskette (Value Chain).
Ökonomisch ist, was ökologisch ist.
Symbiose: Wirkung und Nachhaltigkeit
Wirkung ist Vertrauen. Vertrauen ist die Infrastruktur jeder Unternehmenskommunikation. Seit KI wurde die Kommunikation im digitalen Space oft zu einer Commodity: Dass mittlerweile jeder per Knopfdruck Texte und Bilder generieren kann, hat die synthetisierte, digitalisierte Information stark entwertet.
So wird Print in vielen Szenarien beinahe schon zwangsläufig zur Instanz bei der Verkörperung von Botschaften – zum Werteanker in der Kommunikation. 40 Prozent unseres Gehirns ist mit der Verarbeitung haptischer Reize beschäftigt. Wir können uns versehen und verhören, aber fast nie „verfühlen“.
Print dominiert den physischen Raum, der digital gar nicht existiert. Druckereien der UmDEX-Klasse können für diese haptische Wirkung zudem Klima- und Umweltschutzassets anbieten, die auch in Lieferketten und Umweltberichte wertsteigernd integriert werden können.
Quellen
- UmDEX-Landingpage Janetschek: https://www.umdex.de/landingpage_druckerei_janetschek/
- Unabhängige UmDEX-Tabelle: https://www.umdex.de/umweltfreundliche_druckereien/
- Papierwebsite, UmDEX: https://www.umdex.de/recyclingpapier_liste_tabelle/
- FAQ, UmDEX: https://www.umdex.de/faq-nachhaltige-medienproduktion/

Über den Autor:
Unternehmensberater für nachhaltige Kommunikation
Fachjournalist, Umwelt-Lobbyist | 2005 bis 2017 Chefredakteur Magazin MEDIEN | seit 2010 Analyst für nachhaltige Kommunikation, Social Monitoring/Media | Entwickler LineCore-Methode® (Recherche-/ Redaktionssystem).