Eventrückblick der Marketing Natives
Nur keine Tabuthemen und nichts gesellschaftlich Unangebrachtes
Am 07. April 2026 luden die Marketing Natives zum ersten Signature Event in den Trompetensaal der Österreichischen Post AG am Rochusplatz 1 in Wien, ein. Unter dem Titel „The Grey Area – Wo Marketing an Grenzen stößt!“ begrüßten sie rund 90 Gäste und widmeten den Abend jener Zone, in der Kommunikation, Kreativität und gesellschaftliche Verantwortung aufeinandertreffen. Mit einer Keynote von Michael Messer sowie einer anschließenden Paneldiskussion mit Doris Dienst-Schreyvogel, Martina Anderssen und Tatjana Chalaupek beleuchtete der Abend unterschiedliche Perspektiven rund um die Grauzonen im Marketing.

© Victoria Fischer
Marketing bewegt sich heute oft in einem Spannungsfeld zwischen Aufmerksamkeit, Wirkung und Verantwortung. Wie weit darf Provokation gehen? Wo endet kreative Freiheit, wo beginnt ethische oder rechtliche Verantwortung? Und welche Rolle spielen dabei Bilder, Inhalt, Sprache, Kanäle und Zielgruppen? „Diese Fragen beschäftigen nicht nur uns und unser Team, sondern auch die anstrebenden Marketeers da draußen. Sie brauchen Anhaltspunkte, How-tos und Lösungsansätze – deswegen war es für uns ein Muss dieses Thema auf unsere Bühne zu bringen“, so Susan Kamel Gad Alla und Lily Teglasy, Teamleads der Marketing Natives. Das am Dienstag stattgefundene Event schaffte somit einen Raum für Diskussion, Reflexion und offenen Austausch.
Den inhaltlichen Auftakt des Abends gestaltete Michael Messer, selbstständiger Kreativdirektor und Student der Philosophie, mit seiner Keynote „Nachrede zur Überschreitung“. Messer ist für seine pointierte Auseinandersetzung mit kreativen Grenzen bekannt und brachte in seinem Vortrag die provokante Grundhaltung des Abends auf den Punkt: „Jede Grenze setzt ihre Überschreitung voraus und soll als Mittel zur Großartigkeit dienen“, so Messner. Dies begründete er an einer Kampagne von OnlyFans und machte deutlich, wie erfolgreich das Durchbrechen der gesellschaftlichen Grenzen war. Mit seiner Perspektive auf Provokation und Grauzonen beleuchtete er, warum Grenzüberschreitungen im Marketing nicht nur als Risiko, sondern auch als bewusste kreative Entscheidung verstanden wird. Weiters erklärte er, dass eine solche Herangehensweise enorme mediale Präsenz voraussetzen kann.
Im Anschluss diskutierten drei Expertinnen im Panel über kritische Bereiche im Marketing. Doris Dienst-Schreyvogel, Geschäftsführerin des Jane Goodall Institute Austria, sprach über ethische Grauzonen und NGO-Kommunikation. Sie betonte, dass gerade in der Arbeit mit echten Geschichten und realen Momenten die Auswahl des richtigen Bildes entscheidend sei. Ihre zentrale Frage lautet dabei: „Welches Bild erzählt die Geschichte wirklich und welche Wirkung hat diese Entscheidung auf Glaubwürdigkeit und Vertrauen?“
Martina Anderssen, Omnichannel Lead bei GSK, brachte die Perspektive der rechtlichen Zone in der Gesundheitskommunikation ein. Ihr Fokus lag auf dem Spiel zwischen Ethik und Gesetz sowie auf der Frage, wie Marketing in der Praxis tatsächlich funktioniert. Sie machte deutlich, dass die Realität vieler Jobs in der Kommunikationsbranche komplexer seien als vermuten lässt, vor allem in kleinen Märkten wie Österreich. Zudem verdeutlichte sie den Unterschied zwischen einer Vorstellung und der Realität.
„Oft weicht unsere Vorstellung davon, wie etwas sein sollte, stark von der Realität ab. Entscheidend ist, das zu erkennen und entsprechend zu handeln“, so die Expertin.
Mit Tatjana Chalaupek, Social Media Strategin und Expertin für Grenzen im Digital Marketing, erhielt das Panel schließlich auch eine gesellschaftliche und kulturelle Perspektive. Sie arbeitete an der Schnittstelle von Plattformlogiken, gesetzlichen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Erwartungen. Weiters zeigte sie auf, dass Social Media Strategien heute mehr denn je dort ansetzen müssten, wo Marken an Grenzen stoßen. „Denn Grenzen setzen ein Ende voraus und dieses Ende muss umgangen, verschoben oder gar eliminiert werden“, ist sich Chapaulek sicher. Konkret erklärte sie, man müsse mit Grenzen spielen, um die maximale Wirkung für sich auszuschöpfen.
Das Event richtete sich an junge Marketer:innen, Kommunikationsinteressierte und alle, die sich mit den Chancen und Herausforderungen zeitgemäßer Markenarbeit auseinandersetzen möchten. Im Anschluss an Keynote und Panel bot das Networking die Möglichkeit, sich über die wichtigsten Fragen der Branche auszutauschen und neue Perspektiven mitzunehmen.

Managerin), Hannah Paireder (Event Managerin) und Simone Brodesser (Moderatorin).
© Victoria Fischer
Fazit: Die wichtigsten Learnings:
- Marketing bewegt sich auch in Grauzonen, jede Entscheidung balanciert auf einer Waage.
- Ethik ist keine Nebensache: Gerade in NGO- und Gesundheitskommunikation sind Glaubwürdigkeit, Transparenz und sorgfältige Auswahl zentral.
- Gesetz und Praxis treffen aufeinander: Regulatorische Rahmenbedingungen prägen den Alltag im Marketing stärker, als viele denken.
- Provokation braucht Haltung: Grenzüberschreitungen können Aufmerksamkeit schaffen, müssen aber bewusst eingesetzt werden.
- Grauzonen sind Teil des Alltags: Erfolgreiche Kommunikation entsteht dort, wo Marken Verantwortung übernehmen, und Grenzen mitdenken.
Über Marketing Natives
Die Marketing Natives sind ein ehrenamtlicher Verein unter der Obhut des Dialog Marketing Verband Österreich. Seit ihrer Gründung im Jahr 2011 hat sich der Verein das Ziel gesetzt, junge Marketers und Studierende mit Marketing-Expert:innen zu vernetzen und sich über die neuesten Trends der Branche auszutauschen. Das nächste Signature Event findet am 26.05.2026 statt. Weitere Informationen gibt es unter www.marketingnatives.at
