iab austria stellt die Wirkung von Audio in den Fokus
Das iab austria rückte bei „The Power of Audio“ die Rolle von Radio, Podcasts und Digital Audio in den Mittelpunkt. Diskutiert wurde, warum Audio in einer zunehmend digitalen Medienwelt hohe Reichweiten, Vertrauen und Akzeptanz verbindet.

© Katharina Schiffl
Das interactive advertising bureau austria hat bei der Veranstaltung „The Power of Audio“ die Bedeutung von Radio, Podcasts und Digital Audio für den österreichischen Werbemarkt beleuchtet. Im Zentrum standen die Fragen, warum Audio in Zeiten visueller Reizüberflutung an Relevanz gewinnt und welche Chancen sich daraus für Medienhäuser, Werbetreibende und Konsumenten ergeben.
An der Diskussion am 18. Juni 2026 nahmen unter anderem Stefan Gensasz von RMS Austria, Corinna Drumm vom Verband Österreichischer Privatsender, Lukas Brändle von Audiosation, Rüdiger Landgraf von Kronehit, Sarah Schwarzinger von Mediaplus Austria und Katrin Steiner-Deditz von Content Link teil.
„Es ist kein Geheimnis, dass Audio zu den wichtigsten Werbekanälen zählt – dennoch wird das Medium im österreichischen Medienmarkt nach wie vor unterschätzt. Unser Ziel ist es daher, Audio noch stärker zu verankern und seine Potenziale sichtbarer zu machen!“, sagte Josip Cukic von RMS Austria, Gründer der Arbeitsgruppe Digital Audio.
Radio bleibt ein starkes Reichweitenmedium
In seiner Keynote „Hear to stay – Warum Radio auch zukünftig ‚on‘ bleibt“ zeigte Stefan Gensasz, Head of Market and Media Research bei RMS Austria, die anhaltende Relevanz von Radio im digitalen Zeitalter. Aktuellen Studien zufolge hören mehr als sechs Millionen Menschen in Österreich täglich Radio, die durchschnittliche Hördauer liegt bei über drei Stunden.
Gleichzeitig wächst die Nutzung von Digital Audio. Bereits 4,8 Millionen Österreicher konsumieren Audio auch über Internet, Smartphone oder Smart Speaker. Für Gensasz ist Audio gerade in einer von visuellen Botschaften geprägten Medienwelt ein wirkungsvolles Umfeld.
Laut den präsentierten Daten geben 66,5 Prozent der Befragten an, innerhalb der vergangenen Woche Werbung im Radio oder Online-Radio wahrgenommen zu haben. Damit liegt Audio vor TV und BVOD mit 65,2 Prozent, Social Media mit 62,3 Prozent, Websites mit 61,1 Prozent und YouTube mit 48,8 Prozent.
Zugleich wird Radiowerbung vergleichsweise selten als störend empfunden. Nur 18,7 Prozent fühlen sich durch Werbung im Radio oder Online-Radio beeinträchtigt. Bei YouTube liegt dieser Wert bei 44,5 Prozent, bei Websites bei 43,2 Prozent.
„Wir leben in einer Welt der visuellen Reizüberflutung. Radiowerbung hingegen scheint in den Köpfen der Menschen am präsentesten – und wird nicht nur gehört, sondern auch akzeptiert. Zudem spielt das Werbeumfeld eine entscheidende Rolle: Radio genießt ein hohes Maß an Vertrauen und Glaubwürdigkeit, was sich unmittelbar auf die Wahrnehmung von Marken auswirkt“, fasste Gensasz zusammen.
Podcasts, Digital Audio und KI verändern die Planung
Im anschließenden Panel, moderiert von Corinna Drumm, Geschäftsführerin des Verbands Österreichischer Privatsender, wurde die zunehmende Vielfalt der Audio-Landschaft diskutiert. Drumm verwies auf Marktforschungsdaten, wonach auch junge Zielgruppen weiterhin intensiv Radio hören und Audio-Angebote nutzen.
„Audio steht heute mehr denn je für Authentizität, Glaubwürdigkeit und Vertrauen – Eigenschaften, die in einer zunehmend digitalen Medienwelt enorm an Bedeutung gewinnen“, sagte Drumm.
Sarah Schwarzinger, Senior Strategy & Business Innovation Managerin bei Mediaplus Austria, sieht Radio weiterhin als unverzichtbares Reichweitenmedium, das durch Digital Audio sinnvoll ergänzt wird. Podcasts hätten sich insbesondere bei den 30- bis 49-Jährigen etabliert. Zugleich halten Technologien wie Programmatic Advertising und Künstliche Intelligenz stärker Einzug in die Mediaplanung.
Dennoch bleibt aus Sicht Schwarzingers die menschliche Expertise entscheidend. „Künstliche Intelligenz kann viele Prozesse unterstützen, ersetzt jedoch nicht die menschliche Expertise“, sagte sie. „Unsere Kundinnen und Kunden schätzen die Beratung durch echte Menschen, die Orientierung geben und ihnen helfen, am Ende die richtige Entscheidung zu treffen.“
Podcasts schaffen Nähe zum Publikum
Katrin Steiner-Deditz von Content Link unterstrich die wachsende Bedeutung von Podcasts. Das Medium habe sich vom Nischenprodukt zum Massenmedium entwickelt und biete zugleich eine große Vielfalt spezialisierter Formate. Die persönliche Bindung zwischen Hosts und Publikum schaffe ein Vertrauensverhältnis, das auch für Werbetreibende attraktiv sei.
Einer vollständig KI-generierten Audiozukunft steht Steiner-Deditz skeptisch gegenüber: „Es macht für mich keinen Sinn, ein Medium, das sich speziell durch seine Authentizität auszeichnet, nicht von Menschen sprechen zu lassen. Menschen mögen es, wenn es wo menschelt – und nicht maschinelt.“
Lukas Brändle, Geschäftsführer von Audiosation, sprach über Chancen und Herausforderungen von Online-Audio. Zwar gebe es heute zahlreiche Plattformen und technologische Möglichkeiten, vielen Unternehmen fehle jedoch noch Erfahrung im Umgang mit Audio-Werbung und den dazugehörigen Kennzahlen. Gleichzeitig nehme die Offenheit gegenüber neuen Formaten zu.
„Online-Audio ist keine Konkurrenz zu bestehenden Medien, sondern eine charmante Ergänzung zu den bereits etablierten Planungsmöglichkeiten“, sagte Brändle.
Audio als verbindendes Medium
Für Rüdiger Landgraf, Chief Digital Officer bei Kronehit, liegt die besondere Stärke des Radios auch in seiner gesellschaftlichen Funktion. „Radio bringt die Menschen zusammen, Social Media trennt die Menschen durch Echo Chambers oder Filter Bubbles“, sagte Landgraf.
Künstliche Intelligenz kommt bei Kronehit bereits im Nachrichtenbereich zum Einsatz, indem APA-Meldungen automatisiert aufbereitet werden. Die finale Präsentation bleibt jedoch bewusst in menschlicher Hand.
Um die Bedeutung des Mediums weiter zu stärken, hat das iab austria zudem den offiziellen Podcast „The Voice of Audio“ gestartet. Die erste Folge ist bereits erschienen. Der Podcast soll künftig eine Plattform für aktuelle Themen, innovative Ansätze und Stimmen aus der österreichischen Audio- und Digitalbranche bieten.
iab austria als Interessenvertretung der Digitalwirtschaft
Das interactive advertising bureau austria zählt mehr als 200 Mitglieder aus Verlagshäusern, Medienunternehmen, werbetreibenden Unternehmen, Agenturen, technischen Dienstleistern und Start-ups. Es versteht sich als größte unabhängige Interessenvertretung der österreichischen Digitalwirtschaft.
Das iab austria entwickelt technische und rechtliche Standards, bietet Aus- und Weiterbildungsprogramme, fördert den Wissensaustausch durch Veranstaltungen und Publikationen, veranstaltet mit dem iab webAD einen zentralen Preis der Digitalwirtschaft und vertritt politische Interessen auf nationaler und europäischer Ebene.
