KI-Inhalte sorgen für Vertrauenskrise

Künstliche Intelligenz ist im Alltag vieler Menschen in Österreich angekommen. Eine repräsentative Marketagent-Studie zeigt jedoch, dass mit der Nutzung auch Skepsis, der Wunsch nach Kennzeichnung und die Sehnsucht nach echten Inhalten wachsen.

© Marketagent
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KI wird in Österreich aktiv genutzt

Künstliche Intelligenz verändert die digitale Informationswelt und stellt Nutzer vor neue Herausforderungen. Eine aktuelle repräsentative Studie des digitalen Research-Instituts Marketagent unter mehr als 1.000 Österreichern zeigt ein klares Spannungsfeld: Während KI als Technologie grundsätzlich auf Offenheit trifft, wächst zugleich die Skepsis gegenüber den Inhalten, die sie produziert.

KI ist bereits im Alltag vieler Menschen angekommen. Die Mehrheit der gut 1.000 Befragten gibt an, KI aktiv zu nutzen. 83 Prozent verwenden entsprechende Anwendungen, jeder Zweite nutzt KI mindestens einmal pro Woche. Besonders stark ist die Nutzung in der Generation Z: Vier von fünf Vertretern dieser Altersgruppe greifen regelmässig auf KI-Anwendungen zurück.

In Österreich werden ChatGPT und vergleichbare Tools vor allem als pragmatische Werkzeuge eingesetzt. 62 Prozent nutzen sie zur schnellen Recherche und Informationsbeschaffung. Jüngere verwenden KI zudem verstärkt zur Erstellung, Überarbeitung oder Zusammenfassung von Texten.

Trotz der breiten Nutzung bleibt die Haltung gegenüber KI ambivalent. Rund ein Drittel der Bevölkerung steht Künstlicher Intelligenz grundsätzlich positiv gegenüber. In der Generation Z liegt dieser Wert bei 49 Prozent. Jede fünfte befragte Person äussert hingegen eine klare Ablehnung.

KI-Inhalte werden häufig wahrgenommen

Mit der zunehmenden Nutzung steigt auch die Präsenz KI-generierter Inhalte. Fast sechs von zehn Österreichern geben an, solchen Inhalten regelmässig zu begegnen. In der Generation Z sind es 75 Prozent.

Die wachsende Sichtbarkeit führt jedoch nicht automatisch zu Akzeptanz. 41 Prozent bewerten die zunehmende Masse an KI-generierten Bildern, Texten und anderen Inhalten eher negativ. 52 Prozent konsumieren entsprechende Inhalte eher ungern. Auch die wahrgenommene Qualität bleibt verhalten: Sie wird im Durchschnitt nur als mittelmässig eingestuft.

Damit zeigt sich ein zentrales Problem für Medien, Plattformen und Marken: KI-Inhalte sind sichtbar, werden aber nicht automatisch als hilfreich, glaubwürdig oder relevant wahrgenommen.

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Erkennung bleibt für viele schwierig

Ein wesentliches Thema ist die Unsicherheit bei der Erkennung von KI-Inhalten. Nur rund ein Viertel der Bevölkerung fühlt sich sicher darin, KI-generierte Inhalte zuverlässig zu erkennen. Auch unter jungen Menschen, die sich besonders intensiv mit digitalen Technologien beschäftigen, bleibt diese Sicherheit begrenzt. In der Generation Z liegt der Anteil bei 40 Prozent.

Bei der Identifikation von KI-Inhalten achten die Befragten vor allem auf unnatürlich wirkende Bilder oder Gesichter. Dieses Merkmal nennen 48,6 Prozent. 42,8 Prozent achten auf unstimmige Details im Bild, etwa bei Händen, Augen oder Proportionen. 35,3 Prozent nennen eine Kennzeichnung oder einen Hinweis darauf, dass ein Inhalt KI-generiert ist.

Weitere Erkennungsmerkmale sind auffällig glatte oder perfekte Formulierungen ohne persönliche Note, wiederholende oder sehr generische Sprache, unglaubwürdige Inhalte sowie ein stark schematischer Aufbau von Texten. Auch ein Stil, der nicht zum bekannten Absender passt, sowie oberflächlich oder austauschbar wirkende Inhalte werden als Hinweise genannt.

Mehrheit fordert klare Kennzeichnung

Vor diesem Hintergrund ist der Wunsch nach Transparenz deutlich ausgeprägt. 85 Prozent sprechen sich für eine verpflichtende Benennung von KI-generierten Inhalten aus.

„Transparenz ist ein zentrales Schlüsselthema im Umgang mit künstlicher Intelligenz. Nutzerinnen und Nutzer wollen wissen, womit sie es zu tun haben und fordern klare Orientierung in einer zunehmend unübersichtlichen Informationslandschaft“, sagt Andrea Berger, Research & Communications Manager bei Marketagent.

Social Media verliert Vertrauen

Besonders sichtbar werden die Auswirkungen von KI in sozialen Medien. Jede dritte befragte Person berichtet bereits von einem veränderten Nutzungsverhalten durch KI-Inhalte. In der Generation Z liegt dieser Wert bei 42 Prozent.

Das Vertrauen in Inhalte sinkt. 54 Prozent geben an, Inhalten weniger zu vertrauen. 47 Prozent überprüfen Inhalte kritischer. Ein Drittel reduziert bewusst den eigenen Social-Media-Konsum.

Parallel dazu verändern sich die Qualitätsmassstäbe. Inhalte mit klar erkennbarem menschlichem Ursprung gewinnen für 43 Prozent an Bedeutung. Bekannte Absender nennen 35 Prozent als vertrauensbildenden Faktor. Auch echte Expertise und eine persönliche Handschrift werden wichtiger.

„AI Slop“ bleibt als Begriff noch wenig bekannt

Ein prägnanter Begriff im Zusammenhang mit der wachsenden KI-Content-Flut ist „AI Slop“. Gemeint sind massenhaft produzierte, oft oberflächliche KI-Inhalte. Auf Deutsch lässt sich der Begriff mit „KI-Schrott“ übersetzen.

Der Begriff selbst ist in Österreich noch nicht breit bekannt. 23 Prozent der Befragten kennen ihn, in der Generation Z sind es 41 Prozent. Das dahinterliegende Phänomen wird jedoch bereits deutlich wahrgenommen. 71 Prozent beobachten eine Zunahme belangloser und austauschbarer KI-Inhalte.

Auch die damit verbundenen Risiken sind präsent. 46 Prozent befürchten eine sinkende Qualität von Online-Inhalten. 45 Prozent sehen die Gefahr gezielter Manipulation, 44 Prozent die Verbreitung von Desinformation. Drei Viertel der Befragten gehen davon aus, dass diese Entwicklung in Zukunft weiter zunehmen wird.

Vertrauen wird zur zentralen Aufgabe

„Die Ergebnisse unserer Studie zeigen deutlich: Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben. Während die Tools die Produktion von Inhalten massiv erleichtern und beschleunigen, steigt gleichzeitig der Wunsch nach Orientierung und Authentizität. Für Medien, Plattformen und Marken ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: Wer langfristig relevant bleiben will, muss nicht nur technologisch mithalten, sondern vor allem Vertrauen schaffen: durch Klarheit, Qualität und eine erkennbare menschliche Handschrift“, sagt Marketagent-Founder Thomas Schwabl.

 

Über die Studie

Die Studie wurde im April 2026 durchgeführt. Befragt wurden 1.016 Personen in Österreich im Alter zwischen 14 und 75 Jahren. Die Erhebung erfolgte mittels Online-Interviews über die Marketagent-reSEARCH-Plattform. Das Sample ist repräsentativ für die österreichische Bevölkerung.

Über Marketagent

Marketagent sieht sich als Pionier und Innovationsführer der digitalen Markt- und Meinungsforschung in Österreich. Das Unternehmen realisiert jährlich mehr als 1.300 Studien an den Standorten Baden, Wien, Maribor und Zürich. Grundlage der Arbeit ist ein Online-Panel mit drei Millionen Personen, das im Jänner 2026 nach der aktuellen ISO-Norm 20252 rezertifiziert wurde.