Arbeitsmarkt: Jobsuche wird schwieriger eingeschätzt
Der Arbeitsmarkt in Österreich verliert weiter an Dynamik: Laut aktuellem Arbeitsmarkt-Kompass empfinden nur noch 44 Prozent der unselbstständig Beschäftigten die Jobsuche als leicht. Gleichzeitig steigt die Wechselbereitschaft auf 38 Prozent und erreicht damit den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung.

Jobaussichten trüben sich weiter ein
Der österreichische Arbeitsmarkt startet mit gedämpfter Stimmung ins Jahr 2026. Der aktuelle Arbeitsmarkt-Kompass von Marketagent und Leitbetriebe Austria zeigt, dass die wahrgenommenen Chancen auf einen neuen Job weiter zurückgehen. Nur noch 44 Prozent der unselbstständig Beschäftigten in Österreich sind der Ansicht, dass es aktuell leicht ist, eine neue Stelle zu finden. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung im dritten Quartal 2023. Damals lag der Wert noch bei 68 Prozent, im vierten Quartal 2025 bei 51 Prozent.
Parallel dazu bleiben die Gehaltserwartungen bei einem Jobwechsel zurückhaltend. Die durchschnittlich erwartete Gehaltserhöhung liegt derzeit bei 22 Prozent. Zu Beginn der Erhebung im Jahr 2023 waren es noch 29 Prozent. Marketagent-Geschäftsführer Thomas Schwabl sieht darin eine zunehmende Nüchternheit am Arbeitsmarkt: Die Beschäftigten würden ihre Chancen weniger optimistisch einschätzen und ihre Erwartungen stärker an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anpassen.
Wechselbereitschaft erreicht neuen Höchstwert
Trotz schwieriger eingeschätzter Rahmenbedingungen nimmt die Bereitschaft zu einem Jobwechsel weiter zu. 38 Prozent der heimischen Beschäftigten zeigen aktuell eine hohe oder eher hohe Bereitschaft, den Arbeitsplatz zu wechseln. Damit erreicht dieser Wert den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung. Besonders ausgeprägt ist die Wechselbereitschaft bei der Generation Z: Jede zweite Person dieser Altersgruppe zieht eine berufliche Veränderung in Betracht.
Gleichzeitig bleibt die Zufriedenheit mit dem aktuellen Job hoch. 82 Prozent der Beschäftigten geben an, mit ihrer derzeitigen beruflichen Situation sehr zufrieden oder zufrieden zu sein. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld aus stabiler Zufriedenheit, wachsender Wechselbereitschaft und zunehmender Unsicherheit über die Chancen am Arbeitsmarkt.

Faire Bedingungen bleiben entscheidend
Die Ergebnisse zeigen auch, welche Faktoren bei der Jobsuche besonders wichtig sind. An erster Stelle steht ein faires Gehalt, das von 59 Prozent der Befragten genannt wird. Danach folgt ein gutes Arbeitsklima mit 52 Prozent. Überstunden werden von einer großen Mehrheit akzeptiert, sofern sie fair abgegolten werden. 84 Prozent stimmen dieser Haltung zu.
Der bevorzugte Arbeitsalltag bleibt weitgehend stabil. Die ideale Wochenarbeitszeit liegt im Schnitt bei rund 33 Stunden, der gewünschte Home-Office-Anteil bei etwa 40 Prozent. Auch bei der Mobilität bleiben die Erwartungen konstant: Die maximal akzeptierte Pendeldistanz liegt durchschnittlich bei rund 23 Kilometern.
Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria, verweist auf die Bedeutung glaubwürdiger Rahmenbedingungen. Unternehmen müssten attraktive Arbeitsbedingungen nicht nur anbieten, sondern ernst gemeint, authentisch und fair leben, um Talente zu gewinnen und langfristig zu halten.
Die Erhebung wurde von Marketagent in Kooperation mit Leitbetriebe Austria durchgeführt. Befragt wurden zwischen 1. Jänner und 31. März 2026 insgesamt 724 unselbstständig Berufstätige in Österreich im Alter von 18 bis 69 Jahren. Das Sample ist repräsentativ für die erwerbstätige Bevölkerung und nach Daten des Mikrozensus 2023 gewichtet.
